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  • Hintergrundbild 2: Beratungsgespräch © angelicajaud.com
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Porträt Robin Menges

Robin Menges

  • Klinische Psychologin, Gesundheitspsychologin, Family Counselor und Supervisorin mit dem Schwerpunkt Beziehungsgestaltung
  • Jahrgang 1969, geb. in den USA, aufgewachsen in Österreich
  • verheiratet, drei erwachsene Kinder
  • Autorin des Buches: Selbst.Wert.Gefühl - ein Handbuch zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen (2019)

Meinen Werdegang prägt die Suche nach authentischen Beziehungen und das vertiefte Verstehen menschlichen Seins.

Zwischen Kulturen aufgewachsen, lernte ich zu beobachten, mich anzupassen und Verschiedenheit zu verstehen. Das Menschsein und unsere Notwendigkeit in Beziehungen zu leben sowie unser Hadern damit, sind Themen, die mich immer wieder beschäftigen.

Wichtige Wegbegleiter:innen waren und sind: Jesper Juul (Prozessorientierung & Emotionen als Wegweiser), Helle Jensen (Achtsamkeit & Mitgefühl im Alltag), Thomas Harms (unsere menschliche Verortung in Bindung & dem Körper), Robert Kegan (Entwicklungspsychologie des Erwachsenenalters) und viele andere mehr.

Als begeisterte Leserin setze ich mich mit vielfältigen Ansätzen und Verstehensweisen auseinander.

Seit einigen Jahren wächst in mir die Freude am schriftlichen Festhalten meiner Gedanken und Fragen, die ich unter anderem diesem Blog zur Verfügung stelle. Zur Inspiration und gemeinsamen Entwicklung im Sinne eines menschenwürdigen und menschlichen Miteinanders.

Wir können gemeinsam in der schönen und schwierigen Realität des Lebens unseren jeweils persönlichen Weg finden.

Blogbeiträge von Robin Menges:

Eine Rezension des Buches „Pädagogische Beziehungskompetenz“ von Udo Baer und Claus Koch (2020)

„Würde ist der Prozess des Würdigens.“ Dieses Zitat (S. 151) bringt das Credo dieses Buches von Udo Baer und Claus Koch für mich auf den Punkt. Die beiden Fachautoren haben 2020 ein umfangreiches, doch nicht ausladendes und gut zu lesendes Grundlagenwerk zum Thema pädagogische Beziehungen herausgebracht.

Ich kenne Claus Koch persönlich aus der gemeinsamen Lektoratstätigkeit einiger Bücher von Jesper Juul und Helle Jensen. Seinem großen Engagement ist die berührende Juul-Biografie „Das Kind in mir ist immer da“ zu verdanken. Seit 2016 setzt er sich gemeinsam mit dem Gesundheitswissenschaftler und Pädagogen Udo Baer im PIB-Pädagogischen Institut Berlin für eine Pädagogik der Würde ein, und auch auf der Plattform Kinder und Würde.


Der Titel des Buches: Pädagogische Beziehungskompetenz: Grundlagen für Erzieher*innen und Lehrer*innen ist wirklich Programm. Sie geben auf 250 Seiten pädagogisch tätigen Menschen Grundlagen der Beziehungsentwicklung und -gestaltung an die Hand. Die drei Teile umfassen die Facetten pädagogischer Beziehungen, die Beziehungsentwicklung und zu guter Letzt Beziehungsstörungen. Ein wichtiges Anliegen ist Ihnen die Tatsache, dass Beziehungsgestaltung auch/gerade im beruflichen Umfeld nie ohne den eigenen persönlichen Hintergrund gedacht werden kann. Dass herausfordernde Kinder und Jugendliche, ohne sich dessen bewusst zu sein, sehr oft unsere eigenen Wunden und verletzlichen Anteile berühren und uns in innere Bedrängnis bringen, beleuchten die Autoren aus verschiedenen Richtungen, ohne sich in der Thematik zu verlieren. Sie laden zur Selbstreflexion ein und geben Ideen an die Hand, wie eine Auseinandersetzung aussehen kann, welche die Würde aller Beteiligten stärkt.


Neben den Fragen ist der Text mit Grafiken und Aufzählungen aufgelockert und dient dadurch auch als Nachschlagewerk.


Die Autoren bauen ihren Zugang auf der Bindungstheorie, der Theorie der primären Leibbewegungen, dem Tridentitätskonzept und der Pädagogik der Würde-Achtsamkeit auf. Ich persönlich habe neben vielen Gedanken, die mir vertraut waren, die Aufschlüsselung der spürenden Begegnungen besonders gelungen gefunden. Dass Beziehung nie theoretisch gedacht werden kann, liegt auf der Hand, und doch gibt es unzählige theoretische Abhandlungen von Interaktionsmustern und Ähnlichem. Dass nur eine gespürte Beziehung auch dieses Begriffes würdig ist, vertiefen sie mit dem Konzept der „spürenden Begegnungen“, das auf der Theorie der primären Leibbewegungen aufbaut. Gelingende Begegnungen finden nur statt, wenn geschaut und gesehen wird, wenn wir Laute von uns geben und gehört werden, wenn wir greifen und ergriffen werden, wenn wir drücken und gedrückt werden und da, wo wir uns auch an jemanden anlehnen können.


Der einfache Satz „andere Menschen zu berühren, impliziert berührt zu werden“ (S. 21) bringt das Dilemma vieler schwieriger pädagogischer Beziehungen auf den Punkt und weist doch auch auf einen lebbaren den Weg hin, den die Autoren mit ihren Gedanken ausführen.


Die Ausführungen sind eine wohltuende Inspiration, die sehr nah am pädagogischen Alltag angesiedelt ist. Sie bieten Basiswissen, das in der pädagogischen Praxis oft nicht selbstverständlich ist und auch in Ratgebern manchmal kompliziert ausgedrückt wird. Ich erlebe in meiner Arbeit mit Fachkräften oft eine große Dankbarkeit, wenn sie entdecken, wie viel Gestaltungsraum sie in Beziehungen haben. Und zwar genau in den Beziehungen, in denen sie sich hilflos fühlen.


Fachlich würde ich gerne noch ein paar Details mit den Autoren weiterdenken und vertiefen. Sie bringen etwas sehr Grundlegendes mit folgender Aussage auf den Punkt: „Der Wunsch nach einer authentischen Beziehung als existentielles Bedürfnis heißt auch, dem Kind nichts vorzumachen, sondern ehrlich die eigenen Gefühle einzubringen.“ (s. 109), greifen aber für meine Erfahrung zu wenig auf, was das in dem unmittelbaren Moment heißen kann. Auch wenn ich dieser Aussage definitiv zustimmen kann, hätte ich mir hier eine vertiefte und differenzierte Auseinandersetzung gewünscht, da Authentizität mehr ist als das eigene Gefühl in einer Situation zu zeigen. Die Kunst ist, sich selbst unmittelbar in Beziehung zu bringen, gerade wenn es emotional herausfordernd ist. Das ist der Moment, in dem es wirklich spannend wird und der eine nachhaltige Wende in Richtung Vertrauen und Zutrauen bringen kann.


Ein weiterer Punkt, den ich gerne weiterdenken würde, ist der (auch sonst häufig vertretene) Ansatz, das Verhalten von Kindern in schwierigen Situationen in erster Linie auf dem Hintergrund ihrer familiären Beziehungen/Verletzungen zu verstehen. Auch wenn dies natürlich oft seine Berechtigung hat, sollten wir die Tatsache besonders ernst nehmen, dass einerseits Pädagog*innen sehr viel Zeit mit Kindern verbringen und andererseits Beziehungsstörungen in der jeweiligen Beziehung und nicht woanders stattfinden. Pädagog*innen haben sehr viel Wirkkraft, wenn sie die Verantwortung für ihr eigenes Verhalten konstruktiv übernehmen können. Die „Monster der Entwürdigung“ (119ff) passieren im Schulalltag auch von liebevollen und wohlmeinenden Pädagog*innen – da lohnt sich für eine Kursänderung oft der persönliche Blick in die unmittelbare Situation und eigene Interaktion, mehr als der Blick in die Vorerfahrungen und in die familiären Hintergründe des Kindes. Auch wenn diese gute Erklärungen liefern, so bilden sie doch nur eine Facette ab und werden in der jeweiligen Interaktion aktiviert, wo sie auch bearbeitet und verändert werden können: also im Hier und Jetzt. Als interessierte und verstehen wollende Fachpersonen laufen wir Gefahr, uns mit vermeintlich logischen Erklärungen zufrieden zu geben und die Tatsache unserer eigenen Projektionen auf das Kind zu unterschätzen. Dadurch vergeben wir uns viele Gestaltungsmöglichkeiten.


Dass Beziehungskompetenz mit einer Verantwortung einhergeht, die uns wiederum viel Handlungsspielraum gibt, bereiten Udo Baer und Claus Koch auf diesen Seiten sehr gut auf. Allen, die nicht in ihren Mustern stecken bleiben wollen und Beziehungen im pädagogischen Alltag neu denken wollen, empfehle ich sehr, dieses Buch zu lesen. Die vielfältigen Inspirationen und das Hintergrundwissen lassen sich gut mit den Ansätzen von Jesper Juul und Helle Jensen verbinden, auch wenn die Herangehensweise in manchen Aspekten unterschiedlich ist.

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