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„Was wirklich, wirklich wichtig ist für Kinder sind Erwachsene, die jeden Morgen aufstehen und sagen: ‚Es wird spannend heute, welches Geschenk bekomme ich heute von meinem Kind, was kann ich heute über mich lernen?‘“

Jesper Juul

jeden donnerstag um 7:30

Jeden Donnerstag morgen vor dem normalen Start in den Alltag mache ich mit einer Gruppe Achtsamkeitsübungen und leichtes Yoga. Aber warum mach’ ich das?
Die kurze Antwort: Weil es mir gut tut, zuerst bei mir anzukommen, bevor ich mich mit anderen beschäftige. Weil ich den Kontakt zu mir, meinem Körper, meinen Gefühlen und Gedanken brauche, um präsent zu sein.
Die etwas längere: Im bewussten mir selber Raum Geben komme ich bei mir an. Ich habe einen Beruf, den ich auch als Berufung empfinde und der eine hohe persönliche Präsenz erfordert.

Ich als ganze Person mit meinen Gedanken, Gefühlen und Wissen muss anwesend sein. Manchmal sind die Geschichten, die Themen, die Herausforderungen, mit denen ich konfrontiert werde, sehr intensiv, die Not meines Gegenübers sehr groß. Da liegt es nahe, sich ganz auf den Anderen oder das Thema zu fokussieren und sein fachliches Wissen innerlich zu scannen, damit man das Relevante zur Verfügung hat. Die Gefahr dabei ist, sich selbst aus dem Blick zu verlieren. Den Kontakt zu den eigenen Empfindungen und Gefühlen abzubrechen. Man empfindet sie häufig auch als störend, nicht zielführend und unprofessionell.

Wie schaut eine gesunde Beziehung zu unserem eigenen Ego, zu unseren Fähigkeiten, Stärken und Schwächen aus? Wie können wir uns selbst ernst nehmen, damit wir ehrlich und offen das Wohl anderer ernst nehmen können? Dazu müssen wir meiner Erfahrung nach unsere Grenzen kennen, unsere emotionalen Reaktionen spüren, wissen, was in uns vorgeht und wissen, was wir wissen, damit wir kreativ und kompetent auf die jeweilige Situation reagieren können.

Ganz präsent sein heißt für mich: In Kontakt mit meinem inneren Beobachter zu sein, meine Gedanken bewusst ruhen lassen zu können, meine Empfindungen und Gefühle wahrnehmen, meinen Körper und seine Reaktionen spüren. Aber es heißt auch meine Flexibilität, meine Beweglichkeit zu nutzen, meiner Kreativität im Hier und Jetzt Raum geben zu können. Es bedeutet, dass ich bei mir selber zu Hause bin, damit ich mit anderen Menschen in Kontakt gehen kann. Es bedeutet mich ernst nehmen!

Um meine Achtsamkeit umfassend zu schulen, nutze ich die fünf menschlichen Grundfähigkeiten, die im Pentagramm Modell von Jes Bertelsen beschrieben sind: das Bewusstsein, den Atem, den Körper, die Empathiefähigkeit und die jedem Menschen innewohnende spontane, schöpferische, kreative Kraft.


Das Bewusstsein ist die Fähigkeit jedes Menschen offen wahrzunehmen. Das Hier und Jetzt erleben und erfahren zu können. Aufzunehmen, was ist. Das Bewusstsein alleine wahrzunehmen ist schwierig, weil es meist an einen Inhalt gekoppelt ist. In Achtsamkeitsübungen lenkt man das Bewusstsein und wird sich dadurch bewusst ob man denkt, fühlt u.a. und wie man das Bewusstsein lenken kann. Mit etwas Übung nimmt man auch die Pausen dazwischen bewusst wahr.
Mein Atem versorgt mich durchgehend mit frischem Sauerstoff und ermöglicht einen Austausch von Verbrauchtem mit Neuem. Mein Atem ist aber auch ein Kompass, der anzeigt, wie es mir gerade geht. Ob ich hektisch atme oder ruhig, ob ich flach atme oder in den Bauch usw. Ich erlebe meinen Atem als Anker in mir, er verbindet mich mit meinen Gefühlen. Und durch das bewusste Steuern meiner Atmung kann ich mich selber beruhigen, kann ich meine innere Stärke spüren.
Der Körper ist der Behälter, das Gefäß, der Resonanzraum und der Träger. Durch die Verbindung von inneren Übungen, die dem eigenen Empfinden Raum geben und den inneren Beobachter schulen, mit leichten Yogaübungen erhöhen wir unser Bewusstsein für unsere Beweglichkeit, unsere Stärke und Kraft.
Die Empathiefähigkeit ist die Fähigkeit mich mitfühlend, dankbar und wohlwollend Dingen, Menschen und mir selbst zuzuwenden. Es ermöglicht einen bewertungsfreien Raum, Dinge anzunehmen wie sie sind und weitet den inneren Raum mit Herausforderungen umzugehen.
Die eigene Kreativität ist eine andauernde Quelle schöpferischer Kraft. Sie ermöglicht uns, jederzeit spontan auf Dinge zu reagieren und unser Sein zu gestalten. Diese Grundkreativität reagiert ununterbrochen auf Impulse, die wir bewusst und unbewusst wahrnehmen. Sie lässt uns z.B. unsere Körperhaltung ändern und ermöglicht uns, sprachlich auf Impulse zu reagieren.

Natürlich kann ich Übungen, die diese Grundkompetenzen stärken, auch für mich alleine machen, aber in der Gruppe kommt noch eine Komponente dazu. Einerseits lasse ich mich anleiten, mich führen und kann dabei bewusster mein Bewusstsein wahrnehmen und mich entspannen. Andererseits verstärkt das Erleben in der Gruppe das Erleben der Fokussiertheit.
Alle diese Übungen stärken mein Gefühl für mich, für meinen momentanen Standpunkt, für meine momentanen Empfindsamkeiten und für meine Stärke. Wenn ich ganz bei mir bin, kann ich mich auf andere einlassen, ganz bei ihnen sein, ohne mich zu verlieren. Ich kann mitfühlen, ohne mich von Emotionen mitreißen zu lassen, mich mit Menschen und Emotionen verbinden, ohne abhängig von den jeweiligen Reaktionen zu werden. Ich kann – bildlich gesprochen – auf meinen Füßen stehen bleiben. Meinen Resonanzraum zur Verfügung stellen. Mein Fachwissen und meine Erfahrungen kreativ, bewusst und angepasst nutzen.
Dies alles sind Fähigkeiten, die regelmäßig geübt und vertieft werden müssen, um sie in herausfordernden Situationen nutzen zu können. Es reicht nicht, nur theoretisch zu wissen, wie es geht. Deswegen macht es für mich sehr viel Sinn, am Donnerstag extra früh aufzustehen und mir ein zusätzliches bewusstes Zeitfenster zum Vertiefen, Üben und mich Spüren zu gönnen.

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