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Banner - Robin Menges bloggt

„Was wirklich, wirklich wichtig ist für Kinder sind Erwachsene, die jeden Morgen aufstehen und sagen: ‚Es wird spannend heute, welches Geschenk bekomme ich heute von meinem Kind, was kann ich heute über mich lernen?‘“

Jesper Juul

We at the iGfB understand counseling and family therapy as a personal and individual process, which supports individuals and family systems in their personal solutions and arouses potential for change.

In the context of accomapnying these kind of developmental processes, Meryl Streep’s words "take your broken heart and turn it into art" touched me last week.

I also try to turn my broken heart into art. Sometimes the result is artful, sometimes not. The transformation of one's own wounds, through one's own actions, is an essential impetus of many people, whether as partners, as parents, in our professions, in our voluntary commitments or in other areas.

One of the lectures that I gave this autumn was titled "Family Hurts". In preparation for this, and through the reactions of others, I was confronted with the harshness and inevitability of this fact time and time again.

Why do we do what we do?

Whether in helping professions or in other areas, probably the greatest driving force of human activity is to alleviate suffering and to heal injuries. Depending on how we are “knit together", this happens through power, the preservation of material goods and security, or through relationships and commitment to others.

All of us have a broken heart, all have wounds. Some wounds are deeper than others; some life-processes require much from the individual, and the danger of getting out of balance can be greater for one person compared with another.

When do hearts break?

Our heart breaks as a baby in small steps when there is no one who is sensitive and responsive to me and my needs.

Our heart breaks in kindergarten when we have experiences of rejection or exclusion.

Our heart breaks as a schoolchild when our curiosity and our desire to learn find no space.

Our heart breaks in puberty if there is not sufficient stability from the outside, and our inner chaos takes over.

Our heart breaks as adolescents when our love and opening ourselves to another are not met with love.

Our heart breaks when we cannot develop our competencies fully and do not experience ourselves as valuable.

Our heart breaks when what we think is secure collapses.

Our heart breaks when friends turn away, because they cannot bear our being who we are.

We all have experiences that we do not wish on anyone else.

Yes, we all have injuries; many that unconsciously drive us, and with which we come into contact during the course of our lives, moments when scars are reopened. Sometimes they drive us into flight from ourselves and sometimes into committed action, sometimes into leadership roles and sometimes into victim rolls.

Far too often they drive us unconsciously beyond our own boundaries and beyond the boundaries of others. Then our broken heart becomes destructive.

And how does our broken heart become art? Something beautiful, something valuable, something inspiring?

For many of us, this desire, which we seldom formulate, is the motive, the reason to deal with the painful, difficult aspects of life. In our words, we want our efforts to be productive, we want to strengthen people, balance deficits and heal injuries. And in working with children, teenagers and parents, we want to prevent bad things.

But the confrontation with one's own wounds and with the existential pain of the those one encounters is the greatest challenge of working with people.

For encounter and interventions to become something artistic, something human, something strong, beautiful and life-affirming, we must care for our own broken heart with our own wounds. Without the transformation of our own wounds into something beautiful, personal and well-integrated, our efforts can do harm.

The expert answer, or a well-meant solution, or a simplistic or methodical approach between us and others is too often the case. Instead of structure and help, these become a wall and barrier. The longing for human encounter and real contact, is then lived out through

worry

care

indulgence

addiction

harmony

desire to give up responsibility to others

And much more ...

These modes of encounter all have their right to exist, but sometimes prevent the art of true encounter, true connection in interaction.

Moments of real connection, showing ourselves vulnerable, facing our pain and sharing reality are always moments of hidden beauty, in which we learn this human art of coexistence and from which unhindered, joyful and relaxed places of further development arise.

Thank you for reading and sharing our work.

We would be delighted if you would encourage our work and support our work through your participation. On request we will be pleased to come to you.

In the name of the entire IGFB team I wish you a beautiful, valuable and "artistic" new year 2017

Robin Menges

The original text was published Jan. 19th, 2017 and translated by Ed Murray

Drei kleine Punkte - FÜR BERLIN

Diesen Text habe ich gestern spontan übersetzt, übersetzt um meine Tränen für Berlin in konstruktive Bahnen zu lenken. Ich kenne Berlin, ich habe Freunde dort. Ich habe schon schöne und schwierige Zeiten in Berlin verbracht. Und der Schreck, die Brutalität fahren auch in meine Knochen und doch ist das nur eine Seite des Lebens. Mich berührt die Kraft und die Stärke solcher Menschen, wie Noah Reich, die sich mit ihrer Verletzlichkeit persönlich zeigen.

Der Blog erschien am 29. Juni, den Tag des Anschlages in Instanbul. Trump war noch nicht gewählt, der Terroranschlag in Cannes und vieles Weitere noch nicht passiert.

Drei kleine Punkte ... (ein Text von Noah Reich, erschienen in Englisch auf Medium)

Heute habe ich um drei kleine Punkte gebetet
Heute habe ich um drei kleine Punkte gebettelt.
Heute hing meine Zukunft von drei kleinen Punkte ab.

Heute in der Mittagspause, bei der Geburtstagsfeier eines Kollegen, erhielt ich eine Nachricht von meinem Bruder.
„Es passiert gerade etwas am Flughafen. Ich liebe Euch.“

Zuerst dachte ich gar nichts weiter, aber dann schnappte ich schnell mein Telefon.
„Was meinst Du?“ antwortete ich.
Ich wartete auf das Erscheinen der drei kleinen Punkte, die anzeigen, dass er zurückschreibt.

Nichts.
Mein Herz begann zu rasen. Ich ging auf Twitter und suchte „Istanbul“. Im ersten Tweet, der erschien, las ich „zwei Explosionen im Flughafen Istanbul gemeldet.“

Ich wurde taub.

72 Stunden vorher, hatte ich meinen Bruder und seine Freundin Kristine zum Burbank Flughafen gebracht, um eine Europareise zu machen, auf die sie sich seit Monaten gefreut hatten. Kristine hat gerade ihren Abschluss an der UCLA gemacht und mein Bruder eine Fernsehsendung zu Ende gebracht, an der er gearbeitet hat. Der Zeitpunkt konnte für diese Reise nicht perfekter sein, abgesehen davon, dass sie am Abend des Game of Thrones Finale ohne Wi-FI zu einem zweiwöchigen Abenteuer aufbrachen.

„Wir sind in der Türkei gelandet. Langer Flug, habe das meiste verschlafen. Wir werden heute Nacht in der Lounge bleiben und morgen die Stadt erkunden“ – Bruder

„Du solltest Dich ausruhen und GoT schauen, solange du Wi-Fi hast“ – Ich

Ein paar Minuten später, schickte mein Bruder meiner Mutter und mir ein Foto eines Mannes vor seinem Laptop, das ein Schiff zeigte.
„Dieser Kerl schaut die Episode von letzter Woche“ – Bruder

„Naja, vielleicht macht er dann gleich mit der Episode von gestern weiter“ – Mutter

Ein paar Stunden waren vergangen. Mein Telefon meldete sich. „habe Mutters Ratschlag befolgt und die nächste Episode mit ihm geschaut. Er ist ein russischer Kerl, der kein Sterbenswörtchen English spricht, also hatte er die russischen Untertitel an. Wir haben keine Sprache geteilt, aber nach jeder verrückten Entwicklung ein gemeinsames Luftschnappen und tsk tsk tsk artige Reakionen. Lol“ - Bruder

An meinem 8. Geburtstag, wurden mein Bruder und ich mit dem Messer bedroht und meine Air Jordan Schuhe geraubt. Mein Bruder verfolgte den Dieb und wurde mitten auf einer großen Kreuzung von einem Auto angefahren, das das rote Licht überfahren hatte. Das Gefühl meinen Bruder mitten in der Kreuzung liegen zu sehen, verfolgt mich mein ganzes Leben. An diesem Tag wurde ich eines Paares Schuhe und meiner Unschuld beraubt. Drei Jahre später war die Columbine Schießerei. Ich war 10 Jahre alt.

Mein Bruder und ich gingen gemeinsam unseren Schulweg und er brachte mich zum Eingang der Grundschule, bevor er sich weiter auf den Weg zur Mittelschule machte, die mehrere Straßenblöcke entfernt war. Jeden Tag fürchtete ich, dass sich eine ähnliche Szene in seiner Schule abspielen könnte. Jeden Tag um 15:30 überkam mich eine Welle der Erleichterung, als er kam, mich abzuholen.

Diese Angst, die vor Jahrzehnten als Pflänzchen in mir gesetzt wurde, wurde immer wieder begossen von 9/11 bis 7/7. Im Laufe meines Lebens, musste ich der leisen Stimme in mir, die in meinen Eingeweiden aufkam Raum geben, ob es sicher war ins Kino zu gehen, in ein Konzert oder ein Restaurant. In den letzten Monaten, waren Schießereien an Orten, die ich zu meinen Heimatorten zähle. In meiner Alma Mater, UCLA, und in einem Schwulenclub. Wenn es um das Gefühl geht, sich nicht sicher zu fühlen, habe ich genug Treibstoff, um mich für mein restliches Leben am Laufen zu halten und das war schon vor heute.

Als ich auf eine Antwort meines Bruders wartete, ging ich panisch den Ventura Boulevard auf und ab. Ich dachte an die panischen Textnachrichten, die Mina Justice von ihrem Sohn Eddie in der Nacht der Pulse Club Schießerei bekommen hatte. Ich dachte an die Angst, die mein Bruder und Kristine am Flughaben haben mussten, wenn sie Schüsse hörten und die Fenster der Lounge auf Grund der Explosionen zerbrachen. Ich dachte an den Anruf, den ich machen würde, um meine Mutter über alles zu informieren. Ich dachte an den 8-jährigen Buben, der vor Jahren mitten auf einer Kreuzung stand, und sich vorstellen musste, wie das Leben ohne seinen besten Freund aussehen würde.

Und dann waren sie da.

Die drei kleinen Punkte.

"Wir hörten Schüsse und eine Explosion. Wir sind in einem Zimmer von jemanden im Hotel versteckt. Ich halte dich so gut ich kann am Laufenden“ – Bruder

Mein Bruder und Kristine flüchteten aus der Flughafen Lounge, wo sie sich versteckt hatten, in dem sie von Schutz zu Schutz über zerborstenes Glas krabbelten. Sie machen sich auf den Weg zum angeschlossenen Hotel, wo sie an eine Tür nach der anderen anklopften bis jemand aufmachte. Es war ein Paar aus Spanien, die auf Hochzeitsreise waren. Nach mehreren Stunden, wurden sie aus dem Flughafen wieder über zerborstenes Glas, getrocknetes Blut und dem Geräusch heulender Sirenen evakuiert.

Ich bin dankbar, dass mein Bruder und Kristine in Sicherheit sind, aber mein Herz zerbricht, wenn ich an hunderte Familien denke, die heute nicht so glücklich waren. Es erschreckt mich, mir vorstellen zu müssen, wie es heute in diesem Terminal gewesen sein musste und es schaudert mich zu wissen, wie viel Glück Adam und Kristine gehabt hatten.

Ich bin krank und müde davon, Angst zu haben. Ich will nicht in einer Welt leben, wo ich meine Sicherheit an jeder Ecke und die Absichten derer um mich herum in Frage stellen muss. Ich will nicht in einer Welt des Brexit und Donald Trump leben, wo die treibende Kraft des Lebens, Angst ist.

Ich will in einer Welt leben, wo ein beliebiger russischer Typ, der kein Wort Englisch spricht, auf die Seite rutscht und Dich neben sich sitzen lässt, um das Finale des Game of Thrones zu schauen. Ich will in einer Welt leben, wo ein Paar aus Spanien auf Hochzeitsreise Ihre Tür inmitten eines Terroranschlags öffnet und Dir Schutz gewährt.


Trotz allem, was heute passiert ist, ist das die Welt, in der wir leben, an die ich glaube.

Manchmal will ich nur STOPP! schreien!

STOPP! Wenn ich Bilder von Babys und Kindern, von Männer und Frauen in Aleppo sehe.

STOPP! Wenn ich mit Frauen und Männern arbeite, die ihr Möglichstes für Menschen in Krisen, für Menschen mit Beeinträchtigung, für Kinder, usw. geben, aber nicht ausreichend Ressourcen bereitgestellt werden, damit sie die psychischen Anforderungen gut bewältigen können.

STOPP! Wenn ich lese, dass die Mindestsicherung zur Diskussion steht und nicht die Vermögenssteuer.

STOPP! Wenn Menschen abgeschoben werden, als ob sie Ware wären, die man nicht bestellt hat.

STOPP! Wenn ich heuer im Urlaub an der Deutsch-polnischen Grenze eine Armut erlebe, die ich in Deutschland! nicht für möglich gehalten hätte und gleichzeitig nur ein paar hundert Kilometer weiter im selben Land Reichtum und Überfluss herrscht.

STOPP! Wenn ich genau dort auch nach 70 Jahren das Trauma des Krieges deutlich spüre. An zerbombten Brücken vorbeiradle, die seit 70 Jahren so stehen und die Unfähigkeit verdeutlichen über eine Grenze zu schauen und Verbindendes möglich zu machen.

STOPP! Wenn ich sehe, wie Eltern Beschämung und Leistungsdruck als Erziehungsmittel legitimieren, weil sie das zukünftige Wohl ihres Kindes vermeintlich im Auge haben und nicht das momentane.

STOPP! Genauso wie ich es manchmal LAUT und DEUTLICH in der Begleitung von streitenden Paaren sage.

Genau dort, wo jeder um seine Würde kämpft und die erhoffte Anerkennung in der Abwertung des anderen sucht. Genau dort wo tiefe Verletzungen sichtbar werden. Genau dort wo die Möglichkeiten klar zu denken eingeschränkt sind, weil schmerzhafte Gefühle der Verletzung, der Scham, des Nichtgesehenwerdens, der Abwertung, … überhand nehmen.
Wenn Anerkennung und Würde fehlen, wird die Luft zum Atmen dünn. Wenn der Sauerstoff fehlt, dann ringen wir nur noch um Luft und alles andere tritt in den Hintergrund. Das ist mit Anerkennung und Respekt nicht anders. Da ist dann jedes Mittel recht. Auch wenn mit zwei Schritt Abstand deutlich sichtbar ist, dass alle Versuche ins Gegenteil umschlagen, dass man mit dem eigenen Verhalten die eigene Würde in den Dreck zieht. So wie in allen Beispielen oben – die Würde des Einzelnen, die Würde eines Staates, die Würde von Verantwortungsträgern auf dem Spiel steht.
Damit die Würde gewahrt bleibt, braucht es innere Weite und Anerkennung. An-erkennung der verletzlichen Seiten des Lebens. An-erkennung der fehlerhaften Seiten des Menschseins. An-erkennen, dass wir nicht perfekt sind und auch nicht mit Anstrengung alles leisten können. An-erkennen, dass ich in letzter Instanz als Mensch nicht besser, aber auch nicht schlechter bin als jeder andere.


Anerkennung des Anderen: die Individualität und Mangelhaftigkeit zu sehen, genauso wie den zarten Kern dahinter.

Würde entsteht da, wo ich persönliche und individuelle Bedürfnisse bei mir und beim Anderen ernst nehme.

Würde entsteht da, wo einer anfängt und für sein Verhalten, das an die Grenzen des anderen stößt Verantwortung übernimmt.

Würde entsteht da, wo gesunde Aggression, die als Reaktion auf Grenzüberschreitungen entsteht, zum Schutz und zur Sicherheit eingesetzt werden können. Da wo wir STOPP! sagen.

Würde entsteht da, wo wir das gemeinsame Wohl aller nicht als Gegenspieler unserer eigenen Interessen, sondern als Bereicherung unserer eigenen Bedürfnisse wahrnehmen.

Würde entsteht da, wo wir anerkennen, dass wir letztlich alle als Menschen ähnliche Bedürfnisse, nach Sicherheit, Geborgenheit, Distanz, Individualität und das Gesehen werden in unserer Unterschiedlichkeit haben.

Würde entsteht da, wo wir anerkennen, dass wir uns letztlich nicht kennen und immer noch neugierig auf den anderen, auf sein momentanes Verstehen und Empfinden bleiben.

Danke für Euch alle, die ihr immer wieder im Großen und Kleinen STOPP! sagt und einen würdevollen Umgang einfordert. Der Gradmesser ist letztlich, ob ich mein Verhalten mit mir selbst und meiner Würde in Einklang bringen kann.

Ich schreibe in den nächsten Tagen an diesen Gedanken weiter und möchte ausführen, was sie für das Arbeiten bedeuten können.

Ich freue mich von Euch zu hören oder lesen.